Wenn Geschichte in Bewegung kommt: „Verknüpfte Zeiten“ begeistert das Publikum
BdV NRW unterstützt immersive Tanzperformance von Johanna Greiner in Köln
Wie lassen sich Flucht, Herkunft, Erinnerung und kulturelles Erbe auf neue und überraschende Weise vermitteln? Die immersive Tanzperformance „Verknüpfte Zeiten“ von Johanna Greiner hat darauf eine außergewöhnliche künstlerische Antwort gegeben. Als Kooperationspartner unterstützte der Bund der Vertriebenen, Landesverband NRW, das Projekt und freut sich besonders darüber, dass Themen, die seine Arbeit prägen, in einem zeitgenössischen künstlerischen Umfeld aufgegriffen und auf ganz eigene Weise interpretiert wurden.
Die Premiere am Freitag, dem 16. Oktober 2026, war ausverkauft. Auch die zweite Aufführung am Samstag, dem 17. Oktober, war sehr gut besucht. Das große Interesse unterstreicht, wie Menschen über unterschiedliche Zugänge für Geschichte, Erinnerung und kulturelle Traditionen erreicht werden können.

(Regina Greiner auf der Leinwand und Johanna Greiner auf der Bühne, Foto: BdV NRW)
Masurische Teppiche erzählen Geschichte
Im Zentrum der Performance steht die Verbindung zweier Generationen: Johanna Greiner setzt sich tänzerisch mit dem künstlerischen Schaffen ihrer Großmutter Regina Greiner auseinander. Diese wurde 1937 im damaligen Preußen, in Elbing (heute Elbląg in Polen), geboren und musste als Kind ihre Heimat verlassen. Seit den 1980er-Jahren fertigte sie traditionelle masurische Bauern- und Hochzeitsteppiche an, in deren Mustern, Symbolen und Materialien persönliche Erinnerungen und kulturelle Bezüge weiterleben. Ausgehend von diesen textilen Arbeiten verbindet die Enkelin zeitgenössischen Tanz mit Videokunst, Klang und Bewegung. So entsteht ein Raum, in dem Familiengeschichte, weibliche Perspektiven und das kulturelle Erbe Masurens auf sinnliche Weise erfahrbar werden. Die Teppiche werden dabei nicht nur als kunsthandwerkliche Objekte betrachtet, sondern als Träger von Erinnerungen, Erfahrungen und über Generationen weitergegebenem Wissen.

(Handwerkskunst im Großformat, Foto: BdV NRW)
Erinnerungskultur neu und anders vermitteln
Für den BdV-Landesverband NRW war die Zusammenarbeit eine besondere Erfahrung. Sie zeigt, dass die Themen Flucht und Vertreibung, Heimatverlust, Herkunft und kulturelle Identität nicht ausschließlich über Vorträge, Lesungen oder klassische Gedenkveranstaltungen vermittelt werden müssen. Auch Tanz, Musik, bildende Kunst und performative Formate eröffnen neue Möglichkeiten, sich mit Geschichte auseinanderzusetzen. Gerade die Verbindung von persönlicher Familiengeschichte und künstlerischem Ausdruck macht deutlich, dass Erinnerungskultur lebendig bleibt, wenn sie neue Formen findet und unterschiedliche Generationen miteinander ins Gespräch bringt. Tradition wird dabei nicht nur bewahrt, sondern darf sich weiterentwickeln und aus neuen Perspektiven betrachtet werden. Die Aufführungen haben eindrucksvoll gezeigt, wie sich die Anliegen des Landesverbandes auch in einem zeitgenössischen Tanz- und Performancekontext aufgreifen, interpretieren und einem neuen Publikum zugänglich machen lassen.
Kulturelles Erbe lebt, wenn es weitergegeben, neu entdeckt und immer wieder anders erzählt wird. „Verknüpfte Zeiten“ hat dafür einen eindrucksvollen Impuls gesetzt.
